Urin-Metabolom bei Autismus: Hinweise auf gestörten Tryptophan- und Purinstoffwechsel

Basierend auf: Gevi et al., Molecular Autism (2016), DOI: 10.1186/s13229-016-0109-5 – CC BY 4.0

Hintergrund

Autismus wird bislang rein verhaltensbasiert diagnostiziert – es fehlen zuverlässige Biomarker. Diese Studie untersucht, ob sich im Urin junger autistischer Kinder metabolische Muster erkennen lassen, die als diagnostische Marker dienen könnten.

Methode

  • 30 autistische Kinder (2–7 Jahre) wurden mit 30 alters- und geschlechtsgematchten Kontrollen verglichen.
  • Urinproben wurden mittels HILIC-UHPLC-MS analysiert.
  • Fokus auf Tryptophan-, Purin-, Vitamin-B₆- und Mikrobiom-Stoffwechsel.

Ergebnisse

  • Tryptophan wird bei autistischen Kindern bevorzugt zu Quinolin- und Xanthurensäure abgebaut, was mit erhöhtem oxidativem Stress und Neurotoxizität in Verbindung steht.
  • Melatoninproduktion ist deutlich reduziert, was Schlafstörungen erklären könnte.
  • Purinmetabolite wie Inosin und Hypoxanthin sind erhöht, was auf eine „zelluläre Gefahrenantwort“ hinweist.
  • Mikrobiom-Derivate wie Indolyl-3-Acetat und Indoxylsulfat sind erhöht, was auf eine Dysbiose hindeutet.

💡 Bedeutung

Diese metabolischen Muster stimmen mit Tiermodellen überein und könnten künftig als biochemische Marker für Autismus dienen – insbesondere bei jungen Kindern. Die Ergebnisse legen nahe, dass Vitamin-B₆- und Magnesium-Supplementierung therapeutisch relevant sein könnte.

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